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Anwendung
  • C&I-Mittelstand
  • Industrie
  • Peakshaving
  • C&I

Peakshaving

Lastspitzen-Kappung mit Batteriespeichern: Wirtschaftlicher Hebel über die Reduktion des Leistungspreises in der Netzentgelt-Struktur. Geeignet für Mittelstand, Industrie und Gewerbebetriebe mit ausgeprägten Lastgang-Spitzen.

Worum es geht

Peakshaving bezeichnet die gezielte Reduktion der höchsten Leistungswerte im viertelstündigen Lastgang eines Netzanschlusspunktes. Ein Batteriespeicher entlädt während der kritischen Minuten und kappt den am Zähler gemessenen Höchstwert. Wirtschaftliches Ziel: Senkung des Leistungspreises, der einen erheblichen Anteil der Netzentgelte für Letztverbraucher mit Lastgang-Messung ausmacht.

Die Wirtschaftlichkeit hängt an drei Faktoren: der Höhe des Leistungspreises in der zuständigen Netzregelzone, der Steilheit und Häufigkeit der Lastspitzen sowie an der Genauigkeit der Lastprognose, die das Energiemanagement-System steuert.

Für wen Peakshaving wirtschaftlich ist

Peakshaving rechnet sich, wenn drei Bedingungen zusammenkommen:

  • Lastgang-Tarif mit Leistungspreis — Der Netzentgelt-Tarif des Anschlussnehmers muss einen separaten Leistungspreis enthalten. Reine Arbeitspreis-Tarife profitieren nicht.
  • Substantielle Lastspitzen — Spitzenleistung deutlich oberhalb des Grundlastniveaus, idealerweise mit kurzer Dauer (Minuten bis wenige Stunden). Klassische Profile: Pressen-Anlauf in der Metallverarbeitung, Lade-Lastspitzen in Logistik-Hubs, Kühlmaschinen-Anlauf.
  • Vorhersehbarkeit — Wiederkehrende Muster im Lastgang, die ein Energiemanagement-System modellieren kann.

Branchen mit typisch positiver Wirtschaftlichkeit: Metallverarbeitung, Kunststofftechnik, Großbäckereien, Logistik-Zentren mit E-Lkw-Ladung, Rechenzentren, Krankenhäuser, Kommunale Bäder.

Auslegung

Die Speichergröße ergibt sich nicht aus der Energie, sondern aus der Leistung — und aus der Dauer der zu kappenden Spitzen. Ein Speicher mit 500 Kilowatt Entladeleistung und 1 Megawattstunde Energiekapazität (entsprechend einer C-Rate von 0,5) kappt zwei Stunden Spitze pro Tag. Steilere und kürzere Spitzen erlauben eine höhere C-Rate, geringere Energie reicht.

Die Auslegung erfolgt über eine Lastgang-Analyse über mindestens zwölf Monate. Saisonale Effekte werden mit abgebildet — eine Auslegung allein auf den Sommer-Lastgang unterschätzt Winter-Spitzen aus Heizungs- und Beleuchtungs-Last.

Multi-Use mit Eigenverbrauch

Peakshaving steht selten allein. In Kombination mit Photovoltaik wird der Speicher tagsüber durch PV-Überschüsse geladen und kann am Nachmittag oder Abend Lastspitzen kappen. Das EMS muss zwischen Eigenverbrauchs-Optimierung und Peakshaving priorisieren — typischerweise mit Vorrang für Peakshaving während der Spitzen-Zeitfenster und Vorrang für Eigenverbrauch außerhalb dieser Fenster.

Eine zusätzliche Schicht ist Atypische Netznutzung nach § 19 Absatz 2 Satz 1 StromNEV. Hier kann eine reduzierte Netzentgelt-Stufe erreicht werden, wenn die Spitzenlast in den Hochlast-Zeitfenstern des Verteilnetzbetreibers signifikant unter dem Jahres-Maximum liegt. Diese Zeitfenster werden vom Netzbetreiber jährlich veröffentlicht.

Geschäftsmodelle

Vier Modelle sind verbreitet:

  • Eigenkauf — Der Anschlussnehmer kauft den Speicher, betreibt ihn selbst oder beauftragt einen Dienstleister mit dem Betrieb.
  • Leasing — Speicher als Leasing-Objekt, bilanzielle Behandlung als Operating- oder Finance-Lease abhängig vom Vertrag.
  • Speicher-Pacht (Energy-as-a-Service) — Ein Pächter stellt den Speicher zur Verfügung und teilt sich die erzielten Einsparungen mit dem Anschlussnehmer. Verlagert das Capex-Risiko auf den Pächter.
  • Contracting — Der Contractor übernimmt Errichtung und Betrieb, der Anschlussnehmer zahlt eine fixe oder leistungsabhängige Vergütung.

Die Risikoverteilung zwischen den Modellen ist substantiell. Eigenkauf trägt das volle Capex- und Performance-Risiko, lässt aber alle Einsparungen beim Eigentümer. Pacht- und Contracting-Modelle reduzieren das Risiko, schmälern aber den wirtschaftlichen Effekt.

Genehmigung und Anschluss

Speicher unter 100 Kilowatt Anschlussleistung sind im Verteilnetz üblicherweise unkritisch. Ab 135 Kilowatt gilt die VDE-Anwendungsregel 4110 für den Anschluss am Mittelspannungsnetz [3]. Über 100 Megawatt ist die VDE-AR-N 4120 für das Hochspannungsnetz einschlägig.

Die Vorlaufzeit zwischen Antrag und Anschluss-Zusage variiert stark zwischen Verteilnetzbetreibern — typischerweise zwischen sechs und 18 Monaten. Frühzeitige Abstimmung mit dem zuständigen Netzbetreiber ist Pflicht.

Was offen bleibt

Eine Reform der Netzentgelt-Struktur in Deutschland ist anhängig — insbesondere die Frage, wie Speicher in der zukünftigen Systematik klassifiziert werden. Die aktuelle Wirtschaftlichkeits-Rechnung beruht auf der heute geltenden Festlegung; eine neue Festlegung kann Geschäftsmodelle deutlich verschieben [2].

Wer in den nächsten zwölf Monaten investiert, sollte Sensitivitätsanalysen über zwei oder drei Szenarien der Netzentgelt-Reform rechnen — nicht nur über die aktuelle Festlegung.

Quellen

  1. § 19 StromNEV — Sonderformen der Netznutzung
  2. BNetzA — Festlegung Netzentgeltsystematik (BK4-Verfahren)
  3. Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) — Leitfaden Wirtschaftlichkeit Speicher
  4. [Quelle offen — BMWi-Studie zu Industriespeicher-Geschäftsmodellen, bitte aus offizieller Lieferung ergänzen]